«Mein Atelier ist ein geweihter Raum»

Malerin Chrissy Angliker präsentiert sich mit ihrer Ausstellung PAINT/ING/S bereits zum zweiten Mal in der Badener Galerie 94 aus. Mit 16 zog die gebürtige Winterthurerin nach New York, um ihrer Leidenschaft des Malens nachzugehen. Heute werden ihre Bilder sowohl in den USA als auch in Europa hoch gehandelt.

(Bild: zVg) Eines von Chrissy Angliker's typischen ‹Wasserbildern›.

(Bild: zVg) Eines von Chrissy Angliker’s typischen ‹Wasserbildern›.

Die Bilder der neuen Ausstellung in der Badener Galerie 94  folgen nach der Herstellung von Chrissy Angliker’s erstem Kunstbuch, zu dessen Inhalt ihr der totale kreative Freiraum gegeben wurde. Vorsatz der Künstlerin war, die tieferen Beweggründe ihres Schaffens auf den Punkt zu bringen. Die anschliessenden Bilder von 2017, die jetzt auch in Baden besichtigt werden können, sind das Echo zum Buch. Zum Kredo für ihr Schaffen sagt sie: «Man lernt von dem, was einem unbekannt ist. Bei jedem Umgang mit Farbe hallt dieser Gedanke in mir wieder. Denn die Farbe lehrt mich ganz neue Dinge, die ich bis dato nicht über das Malen wusste. Meine Entdeckung dieser Perspektive geht auf eine Reihe von ‚Unfällen‘ zurück. Meinem Medium seinen Freiraum zu geben ist der Weg, der für mich noch lange nicht abgeschlossen ist.» Es ist der Gefühlsreichtum, der Anglikers Bilder erzeugt. «Mein Atelier in Brooklyn ist ein geweihter Raum. An diesem Ort suche ich nach Antworten und mache mir Mut. Er ist meine Zuflucht, in die ich mich zurückziehe, um das Treiben und Wirren der Aussenwelt zu verarbeiten.

Zwischen zwei Welten
In ihren frühen Jugendjahren in der Schweiz befragte Chrissy Angliker ihren russischen Mentor Juri Borodatchev nach dem Platz des Künstlers in der Welt. Er antwortete: «Es gibt Landwirte, Banker und Schullehrer, die alle einer Beschäftigung nachgehen und einen festen Platz in dieser Welt haben. Der Künstler hat dies nicht, denn er bewegt sich zwischen zwei Welten. Er sitzt zu Füssen Gottes, und sein Job ist es, dem Flüstern von Gott zuzuhören.» Im Mittelpunkt steht für Angliker das von Juri benannte «Flüstern», das sie «Muse» nennt. «Die Begegnung mit der Muse versetzt mich in einen unbeschreiblichen Zustand fesselnder Trance. Das Mysteriöse, Faszinierende, Jenseitige der Muse löst den Wunsch aus, ihre Existenz zu erfassen und auf eine Art in die Wirklichkeit zu übersetzen.» Bei diesem Prozess ist es der Malerin unmöglich, still zu sitzen. «Malen ist für mich ein Kanal für diese Energie. Durch den Akt des Malens strömt diese ungezügelte Energie durch mich hindurch direkt auf die Leinwand.» Ein Werk ist für sie erst vollendet, wenn dieses Gefühl nicht mehr in ihr, sondern auf der Leinwand ist.

Mit 16 folgte sie ihrer Bestimmung
Die schweizer-amerikanische Künstlerin Chrissy Angliker wurde in Zürich geboren und wohnt heute in Brooklyn. Ihr künstlerisches Talent wurde bereits in frühen Jahren sichtbar. Anfang 1996 hatte sie das Glück, bei dem russischen Künstler Juri Borodatchev zu studieren, der über viele Jahre hinweg ihr künstlerischer Mentor war. 1999 ging Chrissy Angliker im Alter von 16 Jahren in die USA, um Bildende Kunst an der Walnut Hill School in Natick, Massachusetts, zu studieren. 2002 stellte die Künstlerin erstmals allein in der Galerie Juri im Schweizer Winterthur aus. Stets auf der Suche danach, ihre Ausdrucksmöglichkeiten zu erweitern, belegte sie das Studienfach Industriedesign am Pratt Institute in New York. Nachdem Chrissy Angliker im Anschluss an ihr Studium im Bereich Design gearbeitet hatte, kehrte sie im Jahr 2008 zurück zu ihrem kreativen Ausdruck, der Malerei. Ihre Kunst ist darauf ausgerichtet, visuell umzusetzen, wie sich die Malerin in ihrer Beziehung zur Welt selbst wahrnimmt. Die Arbeiten von Chrissy Angliker wurden in Europa und den USA ausgestellt und in verschiedenen internationalen Publikationen präsentiert. Die Künstlerin arbeitete mit verschiedenen Unternehmen wie unter anderem AOL, Burton und Wired Magazine auf deren Wunsch zusammen. Ihre Solo-Ausstellung «Bodies of Water» wurde im Schweizer Konsulat in New York veranstaltet, und ihre erste Solo-Ausstellung an der amerikanischen Westküste «High Season» fand diesen Sommer in der Craig Krull Gallery in Santa Monica statt. Nach ihrer erfolgreichen Ausstellung 2015 in der Galerie 94 findet im Herbst 2017 die zweite Ausstellung in diesen Räumen statt.

pd

Die Ausstellung PAINT/ING/S mit Malereien von Chrissy Angliker (USA/CH) findet noch bis zum 2. Dezember 2017 in der Galerie 94, Merker Areal, Bruggerstrasse 37 in Baden statt.

Öffnungszeiten:
Donnerstag und Freitag 18 bis 20 Uhr
Samstag 11 bis 17 Uhr

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